Diagnostik
Ferritin: der Wert, der Erschöpfung erklärt, wenn das Blutbild „normal“ ist
Das große Blutbild ist unauffällig, die Müdigkeit bleibt. Häufig fehlt ein Wert, der gar nicht mitbestimmt wurde, und der viel erklärt.
Von envital Redaktion · veröffentlicht am · 6 Minuten Lesezeit
Laborwert

Kurz gesagt: Ferritin ist der Speicherwert für Eisen. Er sinkt lange bevor Hämoglobin auffällig wird, deshalb kann das große Blutbild „normal“ sein, während die Eisenspeicher praktisch leer sind. Wer über anhaltende Erschöpfung klagt, sollte Ferritin bestimmen lassen.
Was Ferritin misst
Eisen wird im Körper nicht frei herumtransportiert, sondern in einem Protein gespeichert: Ferritin. Der Ferritinwert im Blut spiegelt die Größe dieses Speichers wider.
Wichtig ist die Reihenfolge, in der ein Eisenmangel sichtbar wird. Zuerst leeren sich die Speicher, Ferritin sinkt. Erst deutlich später fällt das Hämoglobin und damit die Blutarmut auf. Zwischen beiden Punkten können Monate bis Jahre liegen, in denen Beschwerden bestehen, während das Standard-Blutbild unauffällig bleibt.
Normal ist nicht optimal
Die Referenzbereiche für Ferritin sind weit, je nach Labor beginnen sie bei etwa 15 µg/l. Dieser untere Rand beschreibt aber lediglich, ab wann eine Blutarmut wahrscheinlich wird, nicht ab wann sich jemand gut fühlt.
In der Praxis berichten viele Menschen mit Werten im unteren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich über Erschöpfung, Haarausfall, Konzentrationsprobleme und Kurzatmigkeit bei Belastung. Ob und ab welchem Wert im Einzelfall behandelt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, der Wert allein reicht dafür nicht.
Besonders betroffen sind Frauen mit starken oder verlängerten Blutungen, Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung, Ausdauersportlerinnen und -sportler, Blutspenderinnen und Blutspender sowie Menschen nach Operationen am Magen-Darm-Trakt.
Die Falle: Entzündung
Ferritin ist zugleich ein sogenanntes Akute-Phase-Protein. Das heißt: Bei Entzündungen, Infekten und einigen chronischen Erkrankungen steigt es an, unabhängig davon, wie viel Eisen tatsächlich gespeichert ist.
Ein Ferritinwert von 80 µg/l bei gleichzeitig erhöhtem CRP kann deshalb einen Eisenmangel verdecken. Aus diesem Grund gehört CRP mitbestimmt, oft zusammen mit Transferrinsättigung und dem löslichen Transferrinrezeptor, die von Entzündungen weniger beeinflusst werden.
Erst die Ursache, dann das Eisen
Ein Eisenmangel ist ein Befund, keine Diagnose. Die eigentliche Frage lautet: Warum?
Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist die häufigste Antwort die Regelblutung. Bei Männern und bei Frauen nach der Menopause muss dagegen an eine Blutungsquelle im Magen-Darm-Trakt gedacht werden, das gehört abgeklärt, bevor einfach Eisen ersetzt wird. Weitere Ursachen sind eine unzureichende Aufnahme über die Nahrung und Resorptionsstörungen, etwa bei Zöliakie oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Bitte nicht auf eigene Faust: Eisenpräparate ohne nachgewiesenen Mangel einzunehmen ist nicht harmlos. Zu viel Eisen belastet den Körper, und bei einer Eisenspeicherkrankheit ist es gefährlich. Erst messen, dann entscheiden.
Hinweis: Diese Seite dient der Information über ärztliche Leistungen und Therapieverfahren. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ob und in welcher Form eine Therapie sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im persönlichen Gespräch.


