Wechseljahre
Perimenopause erkennen: die Jahre, in denen der Zyklus noch da ist
Die Wechseljahre beginnen Jahre vor der letzten Blutung, und werden genau deshalb so oft übersehen. Woran Sie die Perimenopause erkennen und welche Werte weiterhelfen.
Von envital Redaktion · veröffentlicht am · 7 Minuten Lesezeit
Perimenopause

Kurz gesagt: Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der letzten Regelblutung. Sie beginnt bei vielen Frauen Anfang bis Mitte vierzig und dauert häufig mehrere Jahre. Weil der Zyklus in dieser Zeit noch läuft, werden Beschwerden selten damit in Verbindung gebracht, obwohl sich hormonell bereits viel verändert hat.
Was Perimenopause bedeutet
Die Menopause ist ein einzelner Zeitpunkt: die letzte Regelblutung, rückblickend nach zwölf blutungsfreien Monaten festgestellt. In Deutschland liegt sie im Mittel bei etwa 51 Jahren.
Die Perimenopause ist die Phase davor, und sie ist das, was Frauen tatsächlich erleben. Sie beginnt oft Anfang bis Mitte vierzig, gelegentlich früher, und kann sich über vier bis zehn Jahre erstrecken. In dieser Zeit läuft der Zyklus weiter, aber unregelmäßiger. Eisprünge bleiben häufiger aus, ohne dass das von außen erkennbar wäre.
Sieben frühe Zeichen
Kein einzelnes davon ist beweisend. Treffen mehrere zusammen und passt das Alter, lohnt sich das Gespräch:
- Der Schlaf verändert sich. Einschlafen geht, aber nachts um zwei oder drei ist man wach, ohne ersichtlichen Grund und oft ohne wieder tief einzuschlafen.
- Der Zyklus wird kürzer oder unregelmäßiger. Abstände von 24 statt 28 Tagen, gelegentlich übersprungene Zyklen, stärkere Blutungen.
- Prämenstruelle Beschwerden nehmen zu. Was früher zwei Tage war, dauert plötzlich eine Woche.
- Die Belastbarkeit sinkt. Dieselben Anforderungen fühlen sich schwerer an, die Reizschwelle liegt niedriger.
- Die Haut wird trockener. Spannungsgefühl, verändertes Hautbild, manchmal auch unreine Haut wie in der Jugend.
- Gelenke melden sich. Steifigkeit am Morgen, Beschwerden ohne entsprechende Belastung.
- Die Konzentration lässt nach. Wortfindung, Kurzzeitgedächtnis, das Gefühl, langsamer zu denken, oft als „Nebel im Kopf“ beschrieben.
Warum Progesteron zuerst nachlässt
Progesteron entsteht erst nach einem Eisprung, im sogenannten Gelbkörper. Bleibt der Eisprung aus, was in der Perimenopause zunehmend häufig passiert, wird auch kein nennenswertes Progesteron gebildet.
Östradiol dagegen schwankt in dieser Phase stark und kann zeitweise sogar höher liegen als früher. Das Verhältnis der beiden verschiebt sich also, bevor der Östrogenspiegel insgesamt sinkt. Genau diese Verschiebung erklärt einen Teil der Beschwerden: Progesteron wirkt über einen Botenstoff im Gehirn beruhigend und schlaffördernd. Fehlt es, fällt dieser Effekt weg, bei sonst unveränderten Lebensumständen.
Welche Werte etwas aussagen
Ein einzelner Hormonwert hilft in der Perimenopause wenig. Er beschreibt den Tag der Messung, und genau der schwankt in dieser Phase am stärksten. Aussagekraft entsteht aus drei Dingen zusammen: dem Beschwerdebild, der Zyklusphase zum Zeitpunkt der Messung und dem Verlauf über mehrere Monate.
Sinnvoll sind je nach Situation Östradiol und Progesteron (zum passenden Zykluszeitpunkt), FSH und LH, außerdem die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4 sowie Ferritin und Vitamin D.
Die Schilddrüse gehört ausdrücklich dazu. Eine Unterfunktion erzeugt fast dasselbe Beschwerdebild, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Konzentrationsprobleme, trockene Haut, und wird in dieser Lebensphase besonders häufig übersehen, weil alles den Wechseljahren zugeschrieben wird.
Was Sie tun können
Unabhängig davon, ob eine Therapie folgt, wirken vier Dinge nachweislich:
- Krafttraining, zwei- bis dreimal pro Woche. Der Rückgang von Östrogen beschleunigt Muskel- und Knochenabbau. Belastung ist das wirksamste Gegenmittel.
- Genug Eiweiß. Die meisten Erwachsenen nehmen weniger auf, als für den Muskelerhalt sinnvoll wäre.
- Feste Aufstehzeiten. Sie stabilisieren den Rhythmus stärker als eine feste Zubettgehzeit, auch am Wochenende.
- Alkohol ehrlich betrachten. Er verkürzt die Tiefschlafphasen und verstärkt Hitzewallungen, auch wenn er beim Einschlafen zu helfen scheint.
Wenn sich dadurch nach einigen Wochen nichts bessert, ist das kein persönliches Versagen. Dann lohnt sich die ärztliche Abklärung, mit Werten, zum richtigen Zeitpunkt gemessen.
Hinweis: Diese Seite dient der Information über ärztliche Leistungen und Therapieverfahren. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Ob und in welcher Form eine Therapie sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im persönlichen Gespräch.


